Wieviel dürfen andere von dir wissen? Hast du Bock auf ein virtuelles Tattoo?

Wieviel dürfen andre von dir Wissen? Hast du Bock auf ein virtuelles Tattoo?

Gestern habe ich spät abends nach einer Yogastunde an einem Kiosk gestoppt. Noch bevor ich mein Rad abschließen kann, höre ich einen Typen auf einer Bierbank vor dem Kiosk sitzend, seinen fünf männlichen Freunde erzählen, dass dieses Mädchen, das er datet, in jungen Jahren vergewaltigt wurde. Mir läuft innerlich ein Schauer über den Rücken. Was fällt dem jungen Mann ein so etwas absolut intimes über einen Menschen lauthals vor einem Kiosk weiterzuerzählen?

Vielleicht hat das Mädchen aus meiner Erzählung kein Problem damit, dass ihr Date diese persönliche Geschichte weitererzählt hat. Das wage ich aber zu bezweifeln und denke, dass ihr das sehr wohl unrecht ist.

Diese Situation gibt mir zu denken. Was dürfen wir anderen Menschen von uns erzählen und was nicht? Was teilen wir mit unseren Freunden, Bekannten, Dates oder Online? Schnell wird uns ein Stempel verpasst, bezüglch dem was andere von uns wissen. Auf unserer online Aktivitätetn übertragen verpassen wir uns einen virtullen Stempel oder ein virtuelles Tattoo. 

Zwischenmenschliche Beziehungen aufbauen

Jeder Mensch hat seinen “Rucksack” zu tragen wie meine Großmutter zu sagen pflegte. Ehrlich gesagt mag ich dieses Bild nicht. Vielleicht kommt es daher, dass mich die Vorstellung graust meine Probleme für den Rest meines Lebens in einem immer größer werdenden Rucksack mit ins “nächste Leben” oder „Grab“ zunehmen.

Indem wir mit anderen Menschen unsere Gedanken teilen, können wir Menschen mit ähnlichen Sorgen unterstützen und bauen zwischenmenschliche Bindungen auf. Dennoch gibt es einen Unterschied, ob jemand etwas freiwillig mit Anderen teilt oder ob man eine persönliche Geschichte eines anderen Menschen einfach gedankenlos weiterträgt.

Verdrehte Tatsachen

Dadurch, dass wir unsere Gedanken teilen werden wird zugleich angreifbar. Die Gefahr der Angreifbarkeit steigt im Besonderen, wenn der Raum der Face-to-Face Interaktion in den öffentlichen Raum verlagert wird. So soll zum Beispiel Megan Marke, die neue Frau von Prinz Harry, vor Jahren auf ihrem Blog “The Ting” davon geträumt haben Prinzessin zu werden. Schwubs, nun heißt es in der Presse, sie habe Jagd auf Prinz Harry gemacht, um dieses Ziel zu erreichen.

Mund zu Augen auf

Megan Markel hat ihren Blog beendet und sich somit für das Prinzip “Mund zu Augen auf“ entschieden. Kann das die Lösung sein? Weil Megan nun Mitglied der britischen Königsfamilie ist, und dieses konservative Haus einer strengen Etikette unterliegt, hat sie wohl keine wirkliche Wahl außer der, sich zwischen einem Leben mit ihrem Mann und ihrem Hollywoodleben inklusive privaten Blog zu entscheiden.

Alle anderen Menschen die im öffentlichen Raum mit Blogs, YouTube Channels oder über sozialen Medien ihre privaten Geschichten teilen, müssen sich eine andere Frage stellen: Was dürfen die Menschen, denen ich mehr oder weniger täglich begegnen oder meine Familie von mir wissen. Was bin ich bereit zu teilen und was nicht?

Offline Tattoo oder virtuelles Tattoo?

Eine meiner Freundinnen liebt Tattoos. Ihr erstes hat sie sich bereits vor Jahren stechen lassen. Einmal habe ich sie gefragt, was sie macht, wenn ihr eines ihrer Tattoos nicht mehr gefallen sollte. Sie meinte zu mir, dass jedes Tattoo zu einer bestimmten Lebensphase gehört. Auch wenn sie irgendwann einmal nicht mehr gefallen am Tattoo haben sollte, gehört es dennoch zu ihr. Das macht für mich Sinn, auch wenn ich selbst meine Lebensphasen nicht auf meiner Haut tragen will.

Wo liegt aber der Unterschied zwischen dem online Teilen von privaten Gedanken und dem Tätowieren der Lebensgeschichte auf der Haut?

Indem du und ich  Blogartikel oder Social Media Posts über unsere privaten Gedanken teilen, verpassen wir uns im Grunde virtuelle Tattoos. Durch das öffentliche Teilen von Gedanken oder Präferenzen (zum Beidpiel Facebook Likes) haben wir keinen Einfluss mehr darauf wer, wann und wo davon erfährt. Sobald unser Name fällt wird dieser dann umgehend mit bestimmten Aspekten über die wir uns geäußert haben assoziiert.

Ein Pro für freie und öffentliche Meinungsäußerung

Ich glaube nicht an eine dualistische Welt, in der es nur schwarz oder weiß gibt. Nun gut, es mag sein, dass bestimmte Themen für manche Menschen nicht in der Öffenltichkeit besprochen werden sollen, weil es zu persönlich ist. Dennoch gibt es kein Thema über das im öffentlichen Raum im Allgemeinen nicht gesprochen werden kann.

Je heikler das Thema, desto genauer muss selektiert werden. Welche Themen sind, abhängig von der betroffenen Person, für Freunde, Bekannte, Arbeitskollegen und die Öffentlichkeit geeignet und welche nicht.

Anstatt Probleme in seinen Rucksack zu stecken und nach dem Prinzip “Mund zu Augen auf” zu leben teile ich gerne in meinem privaten Umfeld aber auch auf meinen Blog meine Gedanken. In der Tat empfinde ich die öffentliche Meinungsäußerung und Blogs wichtig. Trotzdem gibt es auch für mich Themen, die nur für bestimmt Ohren bestimmt sind.

Daher selektiere wohlüberlegt was du wann und wo mit wem ob in Face-to-Face Interaktionen oder auch online teilst!

Love Ann-Kristin