Wie bitte, kein Käse? Wie ich in China nebenbei gelernt habe ohne Käse glücklich zu sein

Was ist eigentlich eine Gewohnheit? Grob gesagt ist diese eine Handlung, über die du und ich gar nicht mehr nachdenken und sie daher unrefletiert durchführen. Jeder Gewohnheit ist jedoch die Folge eines Entscheidungsprozesses. Was auf unseren Tellern landet sind oft Handlungen aus Gewohnheit.

Mein Weg zu einer rein pflanzlichen Ernährung beziehungsweise mich nach bestem Wissen und Gewissen vegan zu ernähren war ehrlich gesagt ein mehrjähriger Prozess. Begonnen habe ich mit einer fleischlosen Ernährung bereits als Teenager und habe über die Jahre gelernt, wie ich Schritt für Schritt auf einzelnen tierische Produkte verzichten oder wie ich sie auf meinem Speiseplan ersetzen kann.

Von der Erkenntnis zur Handlung

Der Schlüssel zu einer pflanzlichen Ernährung ist im ersten Schritt ein Bewusstsein für diese Form der Ernährung. Erst muss dir klar werden warum du dich vegan ernähren willst. Warum das Ganze?

Nach der Erkenntnis kommt der schwierigste Teil: Die Umsetzung beziehungsweise das Ändern deiner Gewohnheiten, das Ändern deines Handelns.

Nur zu gut kennen wir beide diese Ausreden: ,Eigentlich sollte ich nicht aber’, ‚Ich weiß ja wie schlecht es ist aber es schmeckt doch so gut’ und ‚Was soll der Verzicht einer einzelnen Person schon verändern’.

Aber gerade du kannst alles verändern! Das solltest du niemals vergessen.

Was war das mit China nochmals?

Genau China. Während meines Studiums habe ich insgesamt 6 Monate in Peking verbracht und ganz ungewollt auf Käse, Quark und co. verzichtet. Natürlich hätte ich im Supermarkt für Ausländer auch Käse kaufen können aber der war mir zu teuer und nach dem ich einen Schluck „Milch“ in China oder besser Wasser mit Farbe versucht hatte, lies ich es lieber ganz bleiben.

Vielmehr war ich damit beschäftigt in den Restaurants darum zu kämpfen, dass ich kein Fleisch in meinem Essen haben will. 我不 吃 肉. 这个菜里有没有肉? Heißt so viel wie, dass ich kein Fleisch esse und ob in dem Gericht Fleisch enthalten ist.

Nur zu gut, dass ich vor China vier Monate in Südafrika verbracht hatte und durch das sehr leckere Essen plus 7 kg auf der Anzeigetafel der Waage gesorgt habe. So konnte ich in China meine Pfunde langsam aber sicher wieder loswerden.

Darüberhinaus habe ich in China meine Liebe für Sojamilch entdeckt auch wenn diese mittlerweile in Verruf gekommen ist.

Mein Fazit nach China: ich habe 6 Monate völlig ohne Molkereiprodukte gelebt, ohne sie zu vermissen. Dafür bin ich mir nicht sicher wie oft ich unwissentlich Fischsoße oder andere tierische Überraschungen gegessen habe.

Ein Leben ohne Käse ist also möglich. Oder anders, was gehört zu unserem Alltag von dem wir ausgehen wir können nicht ohne? Und was davon brauchen wir wirklich? Hast du dich das schon mal gefragt?

Wie sieht es zum Beispiel mit deinem Kaffeekonsum oder der Anzahl der Kleidungstücke in deinem Kleiderschrank aus? Macht dich Masse wirklich glücklich? Ist es nicht viel schöner eine Tasse Kaffee am Tag und ein schönes fair gehandeltes Kleid als 10 Billigkleider in deinem Schrank zu haben?

Ein Schritt zurück zu den alten Gewohnheiten – Warum Bewusstsein und Rahmenbedingungen so wichtig sind

So weit so gut. Da ich gar nicht vor hatte auf Molkereiprodukte zu verzichten habe ich zurück in München einen Cappuccino mit Milch bestellt und festgestellt, dass Milch fürchterlich schmeckt. Klar habe ich Schokolade mit Molkereiprodukten und auch Eiscreme gegessen aber von purer Milch und Käse habe ich für eine ganze Weile meine Finger gelassen.

Erst mit der Zeit, durch soziale Ereignisse, wie das Essengehen in Pizzerien oder Cafés mit Freunden, in denen es keine Sojamilch gab, habe ich mich wieder langsam an Molkereiprodukte gewöhnt.

Warum trinken wir in Deutschland nur so viel massenhaft Milch? Oder allgemein gefasst, warum konsumieren wir so viele Molkerreiprodukte? Kann es sein das der massenhafte Konsum mit seiner Verfügbarkeit und unserer gesellschaftlichen Erziehung zu tun hat? Oh und warum brauchst du eigentlich Milch in deinem Kaffee? Wenn er pur so fürchterlich schmeckt, warum trinkst du ihn dann überhaupt?

Raus aus der Komfortzone, auf an andere Ufer

Der Abschluss einer Lebensphase und ein Umzug in eine andere Stadt haben mich wieder zum Nachdenken gebracht. Erst nach meinem Studium und den Wegzug von München habe ich wieder begonnen ein Bewusstsein für eine pflanzliche bzw. veganen Ernährung  zu entwickeln und mich gefragt was für ein Leben ich leben will.

Meine letzten Überbleibsel waren bis vor 8 Monaten Milcheiscreme und Schokolade.

Den letzten Kick, um auch diesen beiden Adieu zu sagen war meine Jivamukti Yogalehrerausbildung in Indien. Danach war endgültig Schluss mit meinen Ausreden.

Denn wenn du und ich ehrlich sind, können wir auch ohne Eis und Schokolade sehr glücklich sein und darüberhinaus gibt es köstliche vegane Eiscreme und Schokolade. Ich habe die besten Sorten schon recherchiert!

Es ist im Grunde sehr einfach sich vegan zu ernähren, wenn du dir drei Sachen klar machst:

  1. Warum willst du dich vegan ernähren?
  2. Wirst du verhungern, weil du einmal auf eine Mahlzeit verzichten musst?
  3. Warum schaffst du dir nicht selbst die Rahmenbedingungen die du brauchst?

Nicht vergessen: Gerade du kannst alles verändern! 

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