Panik oder „Let It Go“?

Hast du dich schon einmal gefragt wie du nur schon wieder in so ein Dilemma geraten bist? Diese Frage habe ich mir gestellt als ich nach vier fantastischen Wochen Indien am Flughafen in Mumbai stand und mir ohne Pass, Flugticket und Geldbeutel das Onboarding versagt blieb. Genauer: Ich stand um 02:25 Uhr am Gate 78 im Terminal 2 und sah meinen Flug ohne mich richtig Europa davon fliegen.

Guten Morgen – Ashram Govardhan Eco Village 04:00 Uhr

„Piep piep piep“ – Die Weckgeräusche meines Smartphones sind mehr oder weniger die ersten Geräusche, die ich am 28. Februar um 4:00 Uhr morgens höre. Es ist der letzte Tag meines 300h Jivamukti Yoga Teacher Trainings in Indien. Am Abend zuvor fand die feierliche Übergabe der Zertifikate satt und am selbigen verabredetet ich mich mit einer Handvoll anderer Absolventen zu einem traditionellen Aarti in einem indischen Tempel für den nächsten Morgen oder besser für die kommende Nacht um 04:15 Uhr.

Nach dem Aarti lief ich zurück in mein Zimmer, packte meinen Koffer und begab mich zum Frühstück, zum Bus nach Mumbai und schließlich fand ich mich in einer indischen Shoppingmall wieder, um ein paar Souvenirs zu shoppen.

Mitten in der Nacht fuhr ich mit Melanie, einer sehr lieben frisch gebackenen Jivamukti Lehrerin aus München zum Flughafen, da unsere Flüge nach München und Berlin nur um eine Stunde versetzt den Flughafen von Mumbai verlassen sollten.

 

Lass das Drama beginnen – Mumbai Flughafen 23:30 Uhr

Kennst du die innere Stimme, die dir sag ‚Pass auf!’? Dieses innere Gefühl, das weis was passieren könnte und das dich erinnert vorsichtig zu sein? Zum Beispiel die Stimme die dir sagt, dass du die Tasse nicht so knapp an den Tisch stellen solltest und fünf Minuten später fliegt sie herunter? Als hättest du es vorher schon gewusst. Genau diese Stimme hörte ich auch an diesem Abend im Taxi auf dem Weg zum Flughafen.

Noch während des Teacher Trainings ergab sich die Möglichkeit Harmoniums der Marke Paloma zu kaufen. Ein Harmonium ist in Deutschland in der Regel sehr teuer, weil sie derzeit hauptsächlich in Indien gefertigt werden. Somit ergriffen nicht nur Melanie und ich die Chance uns eine kleine Version eines Harmoniums direkt an der Quelle zu erwerben. Die Instrumente kamen in einer schlicht schwarz gepolsterten Tasche, perfekt für den Transport als Handgepäck. Unsere Taschen unterschieden sich nur durch ein kleines weißes Namensschild, das an der Seite der Trägerriemen baumelte.

Kennst Du dich mit der Bürokratie in Indien aus? Ich für meinen Teil habe in Mumbai am Flughafen einiges über diese gelernt. Angefangen mit den unendlich erscheinenden Passkontrollen. Kaum zeige ich meinen Pass und mein Flugticket vor, stehe ich erneut in einer ewig langen Schlange, um meinen Pass und mein Ticket einem anderen Mitarbeiter des Flughafens vorzulegen. Dieses ständige heraus kramen führt dazu, dass ich meinen Pass und mein Flugticket aus meiner kleineren Handgepäcktasche mit meinem Laptop in mein zweites Handgepäckstück, meine schwarze Harmoniumtasche lege, da sich der Reißverschluss so schön öffnen und wieder verschließen lies.

Basierend auf den ewigen Schlangen zu den Passkontrollen hatten wir beiden Yoginis nicht mehr so viel Zeit bis zum Onboarding des Fluges nach München. Vorm Gate 65 verabschieden wir uns herzlich und wünschen uns einen guten Flug. Bei der Verabschiedung umarmen wir uns, weshalb wir unsere schwarz gepolsterten Taschen mit unseren Instrumenten für einen Moment auf den Boden stellen müssen. Denn diese Taschen sind nicht gerade Leichtgewichte.

Willkommen in meinem Leben. Es ist bunt und immer etwas los. Jeder „normale“ Mensch hätte seine eigene Tasche gegriffen. Aber Melanie und ich haben das nicht geschafft. Sie griff meine und ich griff ihre oder anders herum. Wir ignorierten beide die kleinen weißen Schildchen. Warum ist diese Situation typisch für mein Leben? Das wirst du noch in vielen weitern Blogbeiträgen von mir lesen können. Kurzgefasst: Wenn ich das Gefühl habe das alles super Läuft lässt meine Aufmerksamkeit nach und es passieren Fehler, wenn ich hingegen unter Druck stehe funktioniere ich einwandfrei. Meine Freunde waren also nicht sonderlich überrascht über diese Geschichte. Deshalb zurück zu Terminal 2….

Ich winke Melanie noch ein letztes Mal zu und begebe mich dann zu einem Souvenirshop, um noch nach einem weiteren wunderschönen Ganesha und andere Souvenirs zu suchen. Ganesha ist der elefantenköpfige Gott im Hinduismus, der dafür bekannt ist alle Hindernisse aus dem Weg zu räumen und für einen guten Neuanfang steht. Nachdem ich endlich meine Wahl getroffen habe gehe ich zur Kasse und will bezahlen. Zunächst freue ich mich mein letztes indisches Geld ausgeben zu können und muss dann doch zu meiner Kreditkarte greifen und meine Bordkarte will der Verkäufer auch sehen. Ich beuge mich zu meiner Instrumententasche, öffne diese und entdecke ein MacBook. Nicht irgendein MacBook, nicht mein MacBook, es war Melanies MacBook. Mein Herz rutscht mir bis in die Füße. Mein Kopf, mein Herz beides fühlt sich dumpf an.

Als der Verkäufer mich anspricht und erneut etwas drängender um mein Flugticket bittet schnappe ich endlich Melanies Instrumenten- und meine zweite, kleinere Handgepäcktasche mit meinem Laptop, lasse Ganesha und die anderen Souvenirs stehen und renne zurück zu Gate 65. Die Lufthansa Maschine nach München steht noch auf der Rollbahn und das Onboarding ist auch erst seit ein paar Minuten beendet.

Ich erkläre dem Flughafenpersonal mehrmals, dass in der Maschine, mein Pass, mein Flugticket und mein Geldbeutel seien. Endlich reagiert jemand und versucht die Maschine telefonisch zu kontaktieren. Nach ca. fünf Minuten hört der Angestellte auf, da die Maschine inkl. meiner Reisedokumente ins Rollen kommt. Mir wird klar mitgeteilt, dass ich mich doch bitte an meine eigene Fluggesellschaft Jet Airways wenden solle.

Also renne ich wie ein Blitz zu meinem Gate und erkläre erneut, mehrfach meine Situation. Ohne Pass und Ticket darf ich nicht ausreisen. Dies war das Ergebnis einer 15-minutigen aussichtslosen Diskussion. Denn auf meinem MacBook habe ich all meine Reisedokumente in digitaler Form gespeichert.

Die in den Farben der Airline Jet Airways gekleideten Damen am Gate verweisen mich an ein Nachbargate, an dem eine Lufthansamaschine Passagiere auf dem Weg nach Frankfurt an Board lässt.

Ich spreche mit dem Verantwortlichen für die Abflüge der Fluggesellschaft Lufthansa für den Flughafen Mumbai. Er nennt mir die Möglichkeit mir meinen Pass mit der nächsten Maschine von München nach Mumbai zurückfliegen zu lassen. Das heißt ich solle bis 23:00 Uhr somit 20 Stunden auf meinen Pass warten und dann den nächsten Flug um 02:25 Uhr nehmen. Das mein Visum allerdings um 24:00 Uhr endet und ich bis dahin ausgereist sein müsste fanden der Lufthansaangestellte und ich beide zusätzlich beunruhigend. Ich teilte diese Information meiner Fluggesellschaft mit, die mich auf den Wartebereich verweist, weil sie selbst noch das Onboarding für meinen eigentlichen Flug beenden muss. Ich entdecke eine weitere frisch gebackene Yogalehrerin aus Finnland in der Schlange, der ich kurz erklären muss warum ich nicht in das Flugzeug steigen werde. Sie sieht mich mit ihren großen blauen Augen an, umfasst fest meine Oberarme und sagte mir auf eine sehr liebevolle Art und Weise, dass alles gut werden wird. Plötzlich werde ich sehr ruhig.

Nachdem ich die Situation in der ich mich befinde akzeptiert habe setzte ich mich auf einen der Stühle vor meinem Gate, beobachte die letzten Reisenden beim Onboarding und schließlich den Abflug meines Fluges nach Europa.

 

Let It Go – Terminal 2, Flughafen Mumbai 02:25 Uhr

Nachdem mein ursprünglicher Flug das Rollfeld verlassen hat sitze ich zwischen einem Inder und einer Holländerin, die auf einen Flug nach Europa warten.

LET IT GO, LET IT GO, LET IT GO.

Ich muss irgendjemanden anrufen. Die Botschaft. Nur leider habe ich kein Guthaben auf meiner Prepaidkarte und für den WiFi-Zugang des Flughafens benötige ich eine Handynummer, um mir ein WiFi-Passwort als Textnachricht zusenden zu lassen. Leider kann man ohne Guthaben auf einer ALDI-Prepaidkarte wohl wirklich keine SMS erhalten. Ich hab es versucht.

Also blieb mir nicht anders übrig als den charmanten Inder neben mir anzusprechen, ihm eine Kurzversion meiner Story zu geben, das nun schon mehrfach entsetzende Gesicht mit einem freundlichen und ruhigen Lächeln zu begegnen und um seine Handynummer zu bitten.

Ich besuche schnell die Webseite der deutschen Botschaft in Indien und bin auf der Suche nach einer Notfallnummer als eine Horde Jet Airways Mitarbeiter mich abholt, um mich zum Migrationsoffice zu bringen. Recherche vertagt….

Gleich drei Mitarbeiter schießen mit ihren Smartphones von mir Fotos, um mich am Flughafen wieder zu finden. Nach Bild drei erkundige ich mich nach einer Handynummer, weil mir das sinnvoller erscheint als darauf zu warten via Foto „gefunden“ zu werden. Anscheinend sind so ziemlich alle mit mir überfordert.

Ruhig bleiben, lächeln, wichtige Informationen filtern und den nächsten Schritt planen.

 

Regeln vor Logik – Migration Office Flughafen Mumbai

Mittlerweile bin ich ca. 24 Stunden wach, habe erfahren, dass es kein Flughafenhotel gibt, ich alle 60 Minuten einen neuen Zugangscode zum Internet benötige und ich mich mitten in der indischen Bürokratie befinde, die nach Regel und nicht nach Logik handelt.

Außer mir sind alle Personen im Office männlich, haben eine andere Hautfarbe als ich, sind äußerst gestresst und sehr unhöflich. Ich lächele was das Zeug hält, und überlege wie ich an das nächste Internetpasswort komme.

Ich verlasse das Office unter Beobachtung und spreche Touristen an, die am Office vorbeilaufen, denn im Office selbst kann mir keiner mit einem Passwort aushelfen. Schnell hab ich ein neues Passwort von einem indischen jungen Mädchen. Leider ist die Internetverbindung sehr langsam und somit die Recherche nach der Notfallnummer der Botschaft sehr mühsam.

Ich rufe über Whatsapp einen Freund in Berlin an, erhalte im Nu eine Nummer und bitte den Chef, also den Mann, der das grimmigste Gesicht zieht und am lautesten herumbrüllt darum sein Telefon benutzen zu dürfen.

Die Notfallnummer gehört leider zur Botschaft in Neu Dehli und die sehr freundlich Dame am Telefon erklärt mir, dass sie für Mumbai nicht zuständig sei. Ich sitze also mitten in der indischen Bürokratie und telefoniere mit der deutschen. Großartig oder ‚LET IT GO’. Ich bedanke mich herzlich für die nette Auskunft bitte sie um die Telefonnummer für Mumbai und versuche mein Glück erneut. Leider ohne Erfolg, denn wie ich durch einen erneuten Anruf bei der lieben Dame in Neu Dehli erfahre, gibt es wohl doch kein 24 Stunden Notfallservice für Mumbai. Ich muss bis 09:00 Uhr morgens warten.

Zwischendrin werde ich von anderen grimmigen Personen im Office nach der Passnummer von Melanie, die mit meinem Pass auf den Weg nach München ist, gefragt und das nicht nur einmal. Ich versuche ruhig zu bleiben und reagiere nach dem dritten Mal langsam genervt. Nein ich kenne die Passnummer meiner lieben Freundin Melanie nicht auswendig. Wieso auch? Leider darf ich das Migrationsoffice erst verlassen, wenn diese nicht nur meine, sondern auch Melanies Passnummer notiert haben. Steckt ein Sinn dahinter? Bürokratie. Regeln vor Logik. Ich schreibe Melanies Vor- und Nachnamen, Gate, Fluggesellschaft und Zielort mehrmals in großen Druckbuchstaben auf weißes Papier. Nach zwei oder drei Stunden holt mich ein von mir genervter Mitarbeiter meiner Fluglinie aus dem Office und begleitet mich zurück in den Duty-free Bereich zum Informationsschalter. Der Grund für seine schlechte Laune? Ich bat ihn mehrmals mir bezüglich einer Internetverbindung zu helfen, was er zunächst verneinte, da er schon genug Ärger mit mir hätte und wegen mir seine Pause gestrichen wurde.

Am Infoschalter angekommen versucht der Jet Airways Mitarbeiter ‚ohne Pause’ kurz vor Schichtende endlich mir ein 24h Passwort zu organisieren und erklärt meine Situation mehrmals den beiden Damen hinter dem Pult. Diese schauen mich an und bittet mich um meinen Pass bevor sie mir das WiFi-Passwort geben können. Großartig! Der Jet Ariways Mitarbeiter und ich lachen beide los. Schließlich erhalte ich das Passwort ohne mein Reisedokument und werde in den Duty-free-Bereich entlassen.

Auf zur nächsten Toilette! Und wer wartet vor der Toilette auf mich, nach dem ich meine Zähne geputzt und mich gewaschen habe? Der Mitarbeiter ‚ohne Pause’, der mir noch eine weitere Notfallnummer gibt und den Tipp nicht aufzuhören Leuten auf den Keks zu gehen.

 

Erster Kaffee nach vier Wochen in einem Ashram

Endlich allein. Mittlerweile sehe ich keine Europäer mehr am Flughafen. Alle Maschinen nach Europa haben den Flughafen verlassen und ich laufe durch das Terminal auf der Suche nach einem ruhigen Platz. Auf dem Weg hole ich mir einen Kaffee, meinen ersten nach vier Wochen und rufe erneut meinen guten Freund in Berlin an und gebe ihm ein Update, um seine und meine Nerven zu beruhigen.

Nach Kaffee Nummer zwei setzte ich mich an meinen Rechner und sende der Deutschen Botschaft meine Passkopie, meine Bordkarte und meine Story via Email. Next Step: Deutsche Botschaft um 9:00 Uhr morgens anrufen.

 

Organisation ist alles – Terminal 2, Infoschalter um 9:00 Uhr

Wie lange bin ich schon wach? Keine Ahnung. 30 Stunden habe ich wohl schon geknackt. Nach mehreren Versuchen erreiche ich einen Mitarbeiter der deutschen Botschaft. Super auch für ihn bin ich nur ein lästiges Problem. Denn um mir einen vorläufigen Pass auszustellen müsste er an den Flughafen kommen und sich mit den grimmigen Jungs vom Migrationsoffice herumschlagen. Dass er darauf keine Lust hat kann ich irgendwie verstehen. Deshalb teilt er mir mit, dass er bereits mit Verantwortlichen der Fluggesellschaften Lufthansa und Jet Airways gesprochen hat. Wir bleiben beim bestehenden Plan. Eine Lufthansamaschine wird mir meinen Pass von München nach Mumbai zurückfliegen und dann soll ich in die Maschine um 02.25 Uhr mit einem Stopp in London steigen. Er hätte einen Platz für mich reserviert.

Mittlerweile hat auch Melanie meine Whatsapp Nachrichten gelesen und mir erzählt, dass eine Lufthansanagestellte meinen Pass eingesammelt hat.

Dennoch bin ich noch nicht bereit mich zu entspannen und immer noch hoch konzentriert. Am Infoschalter warte ich auf die Bestätigung, dass mein Pass in der Maschine von München nach Berlin ist. Erst danach hole ich mir etwas zu Essen und zu Trinken und ruhe mich etwas aus.

 

Kann ich hier irgendwo schlafen?

Nach einem Schichtwechsel am Infoschalter frage ich den Servicemitarbeiter nach einem Tipp, einem Ort am Flughafen an dem ich ein paar Stunden schlafen kann. Denn nach dem ich bemerkt habe, dass ich am Flughafen wohl ein bunter Hund bin traue ich mich nicht meine Augen zu schließen. Der junge Herr am Schalter erzählt mir von der grandiosen Erfindung von 4h Schlafkabinen. Juhu. Leider erfahre ich schnell, dass es im Terminal 2 nur eine einzige gibt und ich den nächsten freien Termin um 19:00 Uhr nicht wahrnehmen kann, da ich um 20:00 Uhr zum Schichtwechsel am Infoschalter sein muss. Prima. Aber mittlerweile ist mit mein Schlafmangel egal. Ich will nicht mehr schlafen. Ich will nur meinen Pass. Seufz.

 

Mein geliebter Pass – Infoschalter um 23:30 Uhr

Gleich ist es soweit. Noch 30 Minuten bis mein Visum verfällt und noch eine Stunde bis zum Onboarding. Freudig und startklar warte ich am Infoschalter auf meinem Pass. Über Whatsapp habe ich mit Vivek, einem Angestellten der Airline Jet Airways der mir zuvor eine Portion Pommes und eine Cola organisiert hatte, den Treffpunkt vereinbart. Mir kommen gleich fünf aufgeregte männliche Inder entgegen, die mich ernst aber dennoch freudig anstrahlen. Zum ersten mal werde ich nicht als Problem behandelt, sondern als positives Ereignis, nach dem Motto ‚Endlich mal was los’.

Nur einer der Herren stellt sich mir vor. Mein neuer Aufpasser für die nächste Stunde ist ein weiterer Mitarbeiter von Jet Ariways und hält meinen deutschen Pass in der Hand.

Eigentlich ist die Story hier vorbei, oder doch nicht????

Mein Pass bleibt in den Händen meines Aufpassers, der mich an einen Ort bringt von dem ich dachte ihn hinter mir gelassen zu haben.

Im Migrationsoffice begegne ich den selben Gesichtern wie am Abend zuvor. Alle unterhalten sich auf Hindi. Ich verstehe kein einziges Wort, beobachte aber ihre Gestiken, Mimiken sowie deren Tonlage. Mir wird schnell klar, dass hier mal wieder die Bürokratie zeigen muss wie wichtig sie doch ist. Mein Pass wird x-mal kopiert, ich x-mal fotografiert es werden mehrere Wortgefechte mit meinem neuen Aufpasser und dem Chef des Migrationsoffice (im folgenden nur noch Chef genannt) geführt. Wieso sind in diesem Office nie Frauen, wenn ich da bin und wieso bin ich die einzige hellhäutige Person?

Ich bin aufmerksam lächele alle an, weiß nicht mehr, ob ich lachen oder schreien soll. Daher entschiede ich mich für das Mantra LET IT GO. Plötzlich fange ich an die Situation aus einer Metaebene zu betrachten und spiele das Rollenspiel in das ich geraten bin einfach weiter mit. Nach einer gefühlten Ewigkeit teilt mir mein neuer Aufpasser mit, dass ich mich beim „Chef“ bedanken soll, weil er mich ausreisen lässt, obwohl mein Visum abgelaufen ist. Ich lächele sehr höflich, kassiere zum ersten Mal ein Lächeln vom Chef zurück. WOW.

Dennoch muss ich den Flughafen erstmals verlassen und alle Passkontrollen nochmals durchlaufen. Zunächst weigert sich ein Mitarbeiter der Passkontrollen mich erneut zu kontrollieren, nach einem kurzen Gespräch mit dem „Chef“ stellt sich heraus, dass er meinen Pass nochmals kontrollieren muss. Noch 30 Minuten bis zum Onboarding.

Wie ein Blitz schummeln wir, also mein Aufpasser und ich, uns an den Schlangen der Passkontrollen vorbei, lassen mein Handgepäck erneut scannen, nachdem ich 24 Stunden im Dutyfree Bereich verbracht habe. Ich lächele und denke mir meinen Teil. Verabschiede und Bedanke mich wieder lächelnd bei mehreren Mitarbeitern der Jet Airways Airline und den Security Jungs. Endlich erhalte ich meinen Pass und mein Flugticket. Fünf Minuten bis zum Onboarding.

Kaum in der Maschine angekommen halten mich weder hustende und niesenden Engländer in ihren kurzen Shorts und T-Shirts, noch schreienden Babys im Flieger davon ab nach über 40 Stunden endlich zu schlafen.

Lieben Dank an meinen guten Freund Hede, an meine liebste Melanie aus München und meine liebe Mutter für eure Unterstützung!

 

Was habe ich daraus gelernt?

Harmoniumtaschen mit Freunden nicht vertauschen? Mit Indischen Bürokratie umzugehen? Das ich locker 40 Stunden wach sein kann? Zahnbürste und Zahnpasta sind im Handgepäck immer eine gute Idee? Handseife und Waschbecken in öffentlichen Toiletten reichen völlig aus, um sich gründlich zu waschen? Am Infoschalter im Flughafen Mumbai gibt es 24 Stunden Passwörter? Ich habe einen wahnsinnigen Geduldsfaden? Kann ganz schön hartnäckig sein? Lächeln ist ein wesentliches interkulturelles Instrument der Kommunikation? Etc. ?

 

Was habe ich wirklich gelernt und was kannst Du aus meiner Geschichte mitnehmen?

Jede Challenge, egal wie schlimm sie auf den ersten Blick erscheinen mag macht dich stark!

Sei dir bewusst, dass es für jedes Problem eine Lösung gibt und man sich in bestimmten Situationen mit dem Hier und Jetzt erst einmal abfinden muss, ohne der Vergangenheit nachzutrauern.

Im Hier und Jetzt lebst du und kannst den Weg für die Zukunft gestalten!

Lass die Vergangenheit los! LET IT GO!

 

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