Menschen in Berlin ODER Ostern mal anders

Menschen in Berlin ODER Ostern mal anders

Emotional Detox, Verzweifelter Obdachloser und eine Europalette.

Eigentlich wollte ich dir erzählen was für ein wundervolles Osterfest ich auf dem Ester Urban Detox Retreat bzw. Emotional Detox Retreat mit Rebacca Randak von Fuck Lucky Go Happy, ihrer wundervollen Assistentin Sarah und den ebenso wunderbaren Teilnehmern hatte. Als ich dann nochmal darüber reflektiert habe was alles rundum das Retreat passiert ist habe ich meine Meinung geändert… 

Was ist um himmels Willen ein Ester Urban Detox?

„Das Ende der Fastenzeit ist der perfekte Zeitpunkt für emotionales Entgiften. Wenn du außerdem Lust auf viel Yoga, Berlin und ein riesiges Osterfrühstück hast, dann streiche dir die Tage vom 25. bis zum 27. März rot im Kalender an“

Alles klar, check, ich bin dabei. Am ersten Tag des Retreats befassten wir uns mit unserer individuellen Ist-Zuständen mit dem Ergebnis, dass alles was wir brauchen schon da ist. Wir müssen nicht schöner, toller oder besser werden, denn wir sind schon genauso richtig wie wir sind. Ein wunderbarer Gedanke! Nachdem wir zusätzlich ausgiebig Yoga geübt haben war der Tag erfekt. Als ich dann schweigend meine Yogamatte zusammenrolle, mir im Treppenhaus noch von einem Stapel alter Forum Magazine über nachhaltiges Wirtschaften aus dem letzten Jahr eines unter den Arm klemme und in die S-Bahn steige, genieße ich die Ruhe und meine gute Laune.

Verzweifelter Obdachloser

Die S-Bahn Richtung Warschauer Straße fährt los und hält am nächsten Stopp. Als ich gerade einen Artikel über fair angebaute Schokolade lese höre ich Hilferufe. Zunächst gehe ich davon aus, dass mal wieder ein betrunkener Obdachloser nach Aufmerksamkeit schreiend Unsinn durch die Gegend brüllt, wie es einem so oft in Berlin passiert. Aber irgendwas war an diesem Hilferuf anders. Ich sehe mich um und kann niemanden entdecken. Ich höre nur die Stimme. Plötzlich sehe ich auf dem Bahnsteig zwei junge Männer schreiend auf das Nachbargleis zeigen. Ein dritter junger Mann springt auf das Gleis und zieht mit der Unterstützung der anderen beiden innerhalb weniger Minuten einen Obdachlosen und einen Augenblick später auch seinen Rollstuhl wieder auf den Bahnsteig.

Ich steige aus der S-Bahn und erkundige mich, ob schon jemand die Polizei gerufen hat, und versuche den Obdachlosen anzusprechen, kann aber nicht in seine leeren Augen blicken. Die Polizei kommt, alle Personen auf dem Bahnsteig steigen wieder in die S-Bahn und fahren weiter als sei nichts passiert.

Mein Magazin über nachhaltiges Wirtschaften landet in meiner Tasche und ich denke darüber nach, ob ich heute noch in eine weitere Yogastunde besuchen sollte.

Europalette

Am Ende des zweiten Tages des Ester Detox Retreats schnappte ich mir meine Europalette, welche ich am Tag zuvor während der Mittagspause im Hausflur des Veranstaltungsortes mit einem Zettel ‚Nicht zum Mitnehmen’ gesichert hatte. Das Holzgerippe sollte nach meinem Masterplan noch über Nacht trockenen bevor ich es in meine neues Zuhause bringe, weil es noch vom Nieselregen feucht war. Also klemme ich mir die nun trockene nigelnagelneu aussehende Palette unter den Arm und transportierte sie stolz Richtung S-Bahn Station Hackischer Markt. Obwohl ich niemanden darauf anspreche mir zu helfen bekomme ich erst Hilfe von einer lieben Yogini bis zur S-Bahn Station und später von einer holländischen Touristen, als ich auf den Treppen der Warschauer Straße eine Atempause einlegen muss. Nach dem Verlassen der U-Bahn hilft mir sogar ein Student aus Dubai dabei meine Palette bis vor die Haustür zu tragen.

Detox, Verzweifelter Obdachloser und eine Europalette

Was will ich dir damit erzählen?

Du bist nicht allein und du bist genauso richtig wie du bist. Gehe mit offenen Augen aufmerksam durchs Leben und du wirst überall Menschlichkeit sehen!