Achtsamkeit – fliegende Döner und Fahrradschubser

Hat dir schon mal jemand einen Döner ins Gesicht geworfen? Mir nicht, aber dafür wollte mich ein junges Mädchen vom Fahrrad schubsen.

Auf dem Rad

Alle haben es Montag bis Freitag so eilig. Auf meinem blauen Razzor-Bike sitzend, das seine besten Zeiten schon einige Jahre hinter sich hat rase ich an einem Montag Richtung Berlin-Friedrichshain. Genau ich rase, warum eigentlich? Hab ich es so eilig?

An der Warschauer Brücke zeigt die Fußgängerampel bereits rot, aber die Fahrradfahrerin vor mir schummelt sich noch über die Ampel. Mein Gedanke ‚Was die kann, kann ich auch!‘ und rolle möglichst langsam hinter ihr her. Auf einmal fühle ich eine geballte Ladung Aggression auf meinem rechten Brustkorb. Ich fühle eine komplette Hand und jeden einzelnen Finger auf meinen Rippen mit der klaren Intention mich seitlich vom Rad zu schubsen. Dank meiner Körperspannung, kann ich mich auf dem Rad halten.

Nach mehreren Schocksekunden drehe ich mich um und sehe ein junge Frau mit einer roten Lockenpracht als Pferdeschanz zusammen gebunden hinterher, die mit erhobenen Hauptes und einer sehr stolzen Haltungen davon läuft.

Situation einordnen

Was ist hier passiert? Was fühle ich? Bin ich sauer? Soll ich vom Rad absteigen und Sie anschreien? Sie fragen warum sie mich verletzten wollte? Oder bin ich vielmehr selbst schuld? Die Ampel war rot und ich hätte definitiv warten müssen.

Ohne die Situation final einordnen zu können und in meine Rucksack an Erfahrungen legen zu können, kann ich nicht aufhören mich zu fragen warum dieses Mädchen so aggressiv war oder warum ich es so eilig hatte. Ich trete wieder in die Pedale und fahre weiter.

Döner im Anflug

Am nächsten Tag besuche ich eine wunderschöne Yogastunde in Friedrichshain im yogafürdich und komme nach dem Kurs mit einer Schülerin ins Gespräch. Wir hatten uns zuvor schon auf der Männertoilette im Yogastudio getroffen, als ich laut rufend ACHTUNG aus der Toilettenkabine kam und sie mir antwortete, dass sie keine männlichen Geschlechtsteile hat. Nach der Yogastunde schieben wir lachend unserer Fahrräder und laufen gemeinsam Richtung Neukölln und reden über alles Mögliche, vor allem aber über Yoga.

Als ich ihr von der Fahrradgeschichte erzähle berichtet sie mir von einem fliegenden Döner der in voller Wucht eine Freundin von ihr getroffen hat. Mein ‚Warum‘ konnte sie mir auch nicht beantworteten. Lustig ist die Vorstellung von Döner werfenden Menschen in Berlin dennoch.

Zurück zur Achtsamkeit und der Fahrradschubserin.

Learnings?

Seit dem Vorfall vor ein paar Tagen beobachte ich Aufmerksam mein und das Verhalten anderer Fahrradfahrer. Warum haben es alle so eilig? Was wäre so schlimm daran zu spät zu kommen oder einfach früher aufzubrechen und Luft in seinen Terminkalender einzuplanen?

Dabei bemerke ich, dass ich dazu neige mich dem Strom anzupassen. Wenn alle hetzen oder schnell radeln tue ich das auch. Kennst du das?

Gerade nehme ich mir vor mit voller Aufmerksamkeit durch die Straße zu fahren und genieße dies richtig. Es macht mir so viel mehr Spaß langsam zu fahren und andere Menschen anzulächeln anstatt hektisch an Ihnen vorbei zu fahren.

Warum das rothaarige Mädchen so aggressiv reagiert hat, kann ich nur vermuten und wünsche ihr alles Gute auf ihrem Lebensweg.

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